Stromboli

Am Tag nach unserer Tour auf den Vesuv kamen wir mit der Nachtfähre ca. 6h30 auf Stromboli an. Stromboli ist die nördlichste der Liparischen/Aeolischen Inseln und ist praktisch ein Vulkan (918m). Es leben generell ca. 400 Menschen auf der Insel, während der Sommermonate sind es ein Vielfaches mehr. Im Dorf Stromboli gibt es ein paar wenige Hotels, Einkaufsmöglichkeiten sowie Restaurants, und es ist autofrei. Schon allein um abzuschalten, ist man im hübschen Stromboli genau richtig, wenn da nicht noch der Gipfel des sehr aktiven Vulkans wäre…

Bei unserer Ankunft begrüsste uns der Krater des Strombolis noch mit einem dicken Hut. Den ganzen Tag über beäugten wir den Gipfel und wünschten uns, dass der Wind und die Sonne den Hut wegzauberten. Wir konnten nur ohne ihn am Abend unsere geplante Tour auf den Stromboli machen… Punkt 17h hiess es für uns Abmarsch zum Bergführerbüro – und, tara: Der Stromboli war komplett frei und ohne Wolken. Das Abenteuer kann beginnen.

Der Aufstieg über ca. 900m geht über Serpentinen im einfachen (Sand) bis mittelschwierigem (Fels/Steine) Gelände. Bis 400m darf man diesen Weg allein gehen, danach ist es nur noch mit Bergführer gestattet. Es finden strenge Kontrollen statt und es waren auch Zivilpolizisten unterwegs. Ab ca. 400m wurde es windiger, es tut gut, wirklich viele Klamotten mitzunehmen, auch wenn man auf Meereshöhe schwitzt… Auf ca. 850m Höhe liefen wir auf eine Anhöhe, wo wir ca. 30 Minuten Pause machen (nicht offiziell erlaubt). Dick eingepackt beobachteten wir den Krater, der ca. 500m vor uns lag, und warteten auf Eruptionen. Und dann kam eine, zwei, eine kleinere und noch eine kleinere… Insgesamt ca. 6 Eruptionen, d.h. Feuerfontänen aus dem Vulkan konnten wir bestaunen. Wahnsinn! Aufgrund des Windes waren sie nicht sehr hoch, aber trotzdem länger als wir uns vorgestellt hatten. Mit so viel Glück im Rucksack stiegen wir noch bis zum höchsten Punkt auf 908m (zum eigentlichen Gipfel auf 918m führt der normale Weg nicht), wo wir festgesetzte 10 Minuten hatten, um von dort das Lavafeld und den Krater beobachten zu können. Mittlerweile war es dunkel. Leider zeigte sich nur ganz zum Schluss noch einmal eine grosse Feuerfontäne. Das war der Startschuss zum Abstieg, der diesmal über die sog. „Sandrutsche“ führt. Man rutscht ca. 600m auf purem Sand hinunter, fast wie Schneeschuhlaufen. Nach einem kleinen Gegenanstieg erreichten wir wieder das Dorf und stiessen auf unseren Erfolg an! Was für ein Abend!

Noch ein paar Worte zur Bergtour: Es gibt zahlreiche Tourenanbieter, die Touren auf den Stromboli anbieten. Pro Bergführer sind max. 20 Leute in einer Tour erlaubt, eine Tour kostet um die 400 Euro. Ab ca. 850m ist Helmpflicht, der bis zur Mitte des Abstiegs getragen werden muss. Man sollte sich an die Anweisungen des Bergführers halten, er selbst hält ständigen Kontakt zur Vulkanüberwachungsstation. Nichtsdestotrotz kann es nicht ausgeschlossen werden, dass plötzlich grössere Gesteinsbrocken geflogen kommen. Vor der Tour mussten wir eine Haftungsausschlusserklärung unterschreiben und unsere Personalien angeben. Mit uns waren ca. 5 Gruppen auf dem Weg, man geht immer erst in der Dämmerung los; man ist im Dunkeln oben und läuft den gesamten Weg bergab in der Nacht (Lampe ist obligatorisch). Es ist von Vorteil, die letzte Gruppe zu sein, da man mehr Zeit hat für die Vulkanbeobachtungen. Die Bergführer laufen wohl oft sehr schnell, da sie schnell wieder zu Hause sein wollen. Trinkgeld ist von Vorteil… Die Bergführer werden streng überwacht und Alleingänger stark kontrolliert. Es gibt noch einen weiteren Weg auf den Gipfel, der am höchsten Punkt des Strombolis anlangt (sogar mit Gipfelkreuz). Dieser Weg ist jedoch weitaus anspruchsvoller und nur mit Bergführer erlaubt. Unseren Weg würde ich als T3 (ohne Vulkanaktivität) einschätzen. Wenn das Wetter ungünstig ist bzw. die vulkanische Aktivität zu hoch ist, werden die Touren nicht durchgeführt (der Stromboli war z.B. von Januar bis April diesen Jahres komplett gesperrt). Wenn man nicht viel wandern möchte, kann man das Feuer auch vom Wasser aus beobachten (Schiffe, Boote) oder auch zu einer Pizzeria laufen, die ca. 45 Minuten von Stromboli Dorf entfernt ist (von dort hatten wir am folgenden Tag auch noch gut ein paar Eruptionen gesehen).

Für mich war es der schönste Vulkan. Er war nicht der grösste, aber für mich der beeindruckendste.


Auf der Fährfahrt nach Stromboli Vulkan noch weit entfernt / Sonnenaufgang / Stromboli mit Mütze
Kirche auf Stromboli / Stromboli Dorf und dahinter der Vulkan / Auf dem Weg zum Stomboli
Auf dem Weg zum Gipfel / Der Vulkan raucht und spuckt

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