3-Tages-Hütten-Tour vom Kiental ins Kandertal

Wir nutzten das lange Wochenende, um einmal wieder ins Berner Oberland zu fahren. Auf dem Plan stand eine 3-tägige Hüttentour vom Kiental ins Kandertal über die Gspaltenhornhütte und die Blüemlisalphütte. Wir buchten schon zeitig und warteten noch auf das gute Wetterfenster.

Am Samstag Morgen fuhren wir schon zeitig nach Reichenbach, um von dort mit dem Postauto auf der steilsten Postautostrecke Europas zur Griesalp zu fahren. Die Zusatzkosten von 6 CHF nahmen wir gern in Kauf – es wurde uns viel geboten: Steile Abgründe, enge Kurven und ein lustiger Fahrer, der gleichzeitig auch Guide war und somit noch so einiges zum Umland erzählte. Auf der Griesalp war es zwar sonnig, allerdings war oben alles grau und früher oder später sollten wir in den Wolken landen. Die umliegenden Berge sahen wir auch noch nicht. Wir liefen den „normalen“ Hüttenwanderweg über Bundsteg und Gamchi. Dann folgt der Weg einer Felswand, wo viel Wasser runtergekommen ist und man ein wenig aufpassen muss. Hier ist es auch ein wenig exponiert und man sollte schon ein wenig beim Laufen aufpassen. Dann geht es immer weiter bergauf über die Moräne; es wird ein wenig schuttiger, steiler und auch nebliger. Die Hütte sehen wir nur kurz beim Aufstieg und als wir sie erreichten, begann es auch zu regnen. Wir waren ca. 4 Stunden unterwegs (gemütlich) – 1130 Höhenmeter, T3, die Wegmarkierungen sind hervorragend und weisen den richtigen Weg auch bei Nebel.

Den Rest des Nachmittages war Regen angesagt – mal mehr, mal weniger. Nur einmal um die Abendessenszeit klarte der Himmel für ein paar Minuten auf, so dass das Blüemlisalpmassiv und das Gspaltenhorn sichtbar wurden. Wir vertrieben uns die Abendstunden mit Spielen und Plaudern und liessen uns den Hackbraten schmecken. Gut schlafen konnten wir im Nebengebäude, wo es einige geräumige Betten gab.

Am nächsten Morgen waren wir schon zeitig wach und waren froh, dass sich die Wolken verzogen hatten. Wir genossen das erste Mal den Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge. Aber schon bald bildeten sich Quellwolken und zogen vom Tal in die Höhe. Wir machten uns gegen 8 Uhr über den Moränenweg auf dem Weg zum Wegweiser, der zum Hohtürli weist. Auch hier sollte man nicht stolpern, da einige Stellen ein wenig exponiert sind. Bald ist man beim Gamchigletscher bzw. bei dem, was davon übrig geblieben ist. Es wird ein wenig geröllig und steinig. Man folgt den rot-weissen Markierungen und erreicht schon bald einige Gletscherbrücken, welche man quert. Dann geht es wieder bergauf über Alpwiesen bis man Oberloch erreicht. Von da geht es bald richtig zur Sache: Die nächsten 900 Höhenmeter haben es in sich. Es geht immer stetig steil bergauf, zunächst über Grashalden und später über Geröll. Bei „Uf dr Wart“ kann man kurz durchschnaufen, es geht kurz flach weiter, bevor das grosse Finale kommt mit langer und steiler Treppe. Es ist stellenweise ein wenig exponiert, aber Ketten sichern hervorragend. Dieses Stück war meistens im Nebel, nur kurzzeitig riss er auf und legte die Landschaft frei. Dann schon bald sahen wir die Hütte und erreichten das Hohtürli und wurden mit tollem Blick auf das Blüemlisalpmassiv belohnt! Insgesamt waren wir ca. 5 Stunden unterwegs (ebenfalls gemütlich und mit Pausen). T3, ca. 1100 Höhenmeter bergauf, 620 Höhenmeter bergab.

Nachmittags gingen wir kurz an den Gletscher und genossen die alpine Umgebung. Zum Nachtessen wurde nochmals Hackbraten serviert, danach hiess es nochmals Aussicht geniessen, denn die Wolken machten abends nochmal die Berge und das Umland der Hütte frei.

Auch am dritten Tag war die Tagwache schon zeitig angesetzt, so dass wir noch einen schönen Sonnenaufgang erleben konnten. Es bliess noch ein kräftiger Wind so dass beim Abmarsch nach Kandersteg auch kurzfristig die Handschuhe zum Einsatz kamen. Der Weg führt zunächst sehr steil über die Berghänge, stellenweise ist es auch hier ein wenig exponiert (T3). Erst am Oberbärgli sieht man den wunderschönen Oeschinensee, umrahmt von Doldenhorn, Fründenhorn und Blüemlisalphorn. Wir liefen weiter – diesmal sehr steil mit Ketten gesichert an einer Felswand vorbei, und erreichten schon bald Unterbärgli. Dann ist es nicht mehr weit zum See, der Weg wird einfacher (T2) und man befindet sich schon bald inmitten der vielen Touristen. Weiter geht es dann über gute Wege nach Kandersteg (T1/T2). Hier waren wir ca. 5.5 Stunden unterwegs, wobei jedoch lange und viele Pause inkludiert sind. Der Wegweiser zeigt 3h45 von der Blüemlisalphütte nach Kandersteg (1700 Höhenmeter bergab).

Wir waren sehr gemütlich unterwegs, viele unternehmen den Weg an 2 Tagen (von der Gspaltenhornhütte nach Kandersteg; sowie Griesalp nach Kandersteg), aber wir wollten nicht gleich übertreiben. Die Uebernachtung sollte man zeitig reservieren; es war immer pumpenvoll. Für die Wegführung verweisen wir gern auf die sehr informative Homepage der Gspaltenhornhütte, wo es zahlreiche Informationen gibt.

Gesehene Tiere: Lustige Bergziegen und Schafe, Kühe, 2 Gemse, 4 Steinböcke, 1 Murmeltier, 1 kleine Maus (oder war es doch ein Maulwurf?)

Es war ein klasse Bergerlebnis und wir konnten uns gut innerhalb dieser drei Tage erholen.


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